5 Euro im Wachgewerbe?

5.jpg„Für 5,- € pro Stunde kannst Du bei uns anfangen, aber erstmal zwei bis drei Probeeinsätze!“

Das sind Worte, die die Aushilfen des Wachgewerbes immer wieder zu hören bekommen.

Damals, als ich noch Bereichsleiter einer großen Sicherheitsfirma im Ruhrgebiet war, musste ich häufig diese Worte über die Lippen bringen! Und ich war sehr erstaunt, das fast alle dem zugestimmt haben, während ich schon in meiner Vergangenheit als Arbeitgeber im Sauerland um 12,00 DM oder 14,00 DM und/oder 7,00€ oder 8,00€ Euro feilschen musste.

Sind die Menschen so verschieden?

Ich muss dazu sagen, die Leute hatten es eigentlich nicht immer nötig für 5,25 Euro zu arbeiten. Was hat die Menschen dazu bewegt? Diese Frage stelle ich mir noch heute sehr oft! Mir ist ja bewusst, dass es Berufe gibt, bei denen noch viel weniger verdient wird, aber diese Art der Berufe betrifft mich nicht mittelbar.

Hinzu kommt, dass Arbeitszeit nicht immer gleich Arbeitszeit bedeutet: Für Einsätze bei Großveranstaltungen wird sich vor „Dienstbeginn“ zur Anwesenheitskontrolle getroffen. Danach geht es zum Checkin vor Ort beim auftraggebenden Sicherheitsunternehmen (Zeitaufwand ca. 40 min).
Manchmal vergehen vor Einsatzbeginn bei den Veranstaltungen bis zu 90min, die nicht als Arbeitszeit gerechnet und auch nicht vergütet werden.
So wurde von Wachleuten an einem Sonntag von 12:00 Uhr (Anwesenheitskontrolle) bis 20:30 Uhr (Einsatzende) auch schon mal nur 26,25 Euro verdient.

Und das ist leider kein Einzelfall!

Diverse Firmen, die mit uns Subunternehmer waren, konnten oft nur das bezahlen. Es gab zu viele einsatzleitende Supervisoren, dass für den tatsächlich arbeitenden Mitarbeiter kaum was übrig blieb! So geht es hier im Raum noch heute bei Großveranstaltungen und in Fußballstadien von statten.

Subunternehmer werden ausgesaugt, einige wenige Mitarbeiter werden von den höheren Firmen übernommen. Und irgendwann hat die Sicherheitsfirma an letzter Stelle keinen Saft mehr.

Aber in einer Zeit, in der die Qualifikation der Sicherheitsmitarbeiter immer gefragter sein wird, werden dann wohl auch dementsprechende Löhne und Gehälter gezahlt! Ich hatte diese Vermutung schon damals, als ich anfing im Wachgewerbe zu arbeiten!
In ein paar Teilen Deutschlands und bei einigen anspruchsvollen und wertschätzenden Unternehmen wird heute und auch schon zum Teil seit einigen Jahren vorbildlicherweise ein erhöhter Stundensatz geboten.
Dieser wird von Seiten der Auftraggeber auch gerne gezahlt, wenn er an den diensthabenden Wachmann weitergegeben wird!

So erwartet man erhöhte Einsatzbereitschaft und Aufmerksamkeit, die der Wachmann auch durchaus erbringen kann. Bei meinen Beobachtungen der letzten Jahre habe ich festgestellt: Die Mitarbeiter, die nur wenige Cents über dem Tariflohn liegen, sind motivierter, lernbereiter, weniger krank und vor allem einsatzbereiter als unterbezahlte Mitarbeiter.
Ja – sie haben sogar ein geregelteres Leben als andere, was auch zur Konzentrationsfähigkeit im Dienst beiträgt!

Ebenso ist bei der Stundenvergabe zu beobachten – wer in der Regel „8 Stunden“ arbeitet am Tag, hat viel mehr Zeit, seine persönlichen Dinge zu regeln!
Ausnahmen gibt es dennoch: einige Wachleute sind überzeugt, lieber 16 Tage und 12 Stunden, als 24 Tage und 8 Stunden zu arbeiten, weil sie so 14 Tage im Monat nicht zur Arbeit müssten!

Manchmal ist es objekttechnisch und im Zeitalter des Personalmangels nicht realisierbar. Man kann das auch nur schwierig verallgemeinern ! Finde den richtigen Weg für DICH! Aber achte auf deine und die Gesundheit deiner Mitarbeiter!

Herzlichst euer Stefan Wegerhoff
Text: Stefan Wegerhoff

D&W The Motion Corporation

10 Comments

  1. Uwe Reuter

    Ich habe 23 Jahre in dieser Branche gearbeitet,habe alle Bereiche durch.Von Objektbewachung,Veranstaltungsservice, Museumsaufsicht bis hin zum Alarm und Revierfahrer. Die Verantwortung war immer sehr hoch. Ich habe die ganze Zeit nur in 12 Stunden Schichten gearbeitet,zuletzt in einem Unternehmen im östlichen Brandenburg. Dort wurde zuletzt auch der Tariflohn von 8,50 € pro Stunde bezahlt. Das allerdings nur äusserlich. In bestimmten Streifenbereichen wurde dann einfach die Regelung eingeführt das man nur noch 8 oder zehn Stunden fährt ( was technisch bei der Menge der zu kontrollierenden Objekte garnicht möglich ist) die üblichen Stunden wurden als Bereitschaftszeit geschrieben und mit 2,50 die Stunde entlohnt. Das Unternehmen in dem ich tätig war ist der Ableger einer Firma die in Schleswig Holstein ansässig ist. Das Perfide an der Sache war dann noch das uns gesagt wurde das diese Regelung eingeführt wurde das sich die Fahrer erholen können. Eine absolute Frechheit. Heut arbeite ich aus gesundheitlichen Gründen nichtmehr in dieser Branche. Für solche Abzocker werde ich meine Gesundheit nicht noch weiter ruinieren.

  2. Stefan Wegerhoff

    Zugegeben, das ist eine dubiose Lösung, die eigenen Mitarbeiter zu schonen, aber solche schwarzen Schafe gibt es leider überall. Und andererseits gibt es immer auch Mitarbeiter die sich sowas gefallen lassen. Ich würde nach acht Stunden auch Bereitschaftsdienst absolvieren, also nach Hause oder in die Leitstelle fahren und bereit sein für einen etwaigen Interventionsfall.

    1. Uwe Reuter

      Stefan,wenn es so wäre wie Du es beschreibts hätte ich nichts dagegen. Acht Stunden Revierkontrolle dann reinfahren ob Leitstelle oder zuhause und im Einsatzfalle wieder los- Das wäre schon vollkommen okay. Leider hatten wir aber 12 Stunden voll zu tun mit den Revierkontrollen da einige Objekte mehrmals anzufahren sind. In Deinem Vorschlag wäre ich auch zufrieden wenn in der Bereitschaftszeit,also ohne Einsatz,weniger gezahlt wird,aber 2,50 ist wohl eine Beleidigung und wohl nicht für ein gutes Betriebsklima geeignet.

      1. Stefan Wegerhoff

        Aber genau DA ist der Denkfehler!
        „Man musste einige Objekte mehrfach anfahren…,“
        „Zeitmangel.., “
        „und“ „und“ „und“
        Wo liegen die Prioritäten, in der Kontrolle? oder im Erreichen aller Kontrollstellen in der vorgegeben Zeit?
        Zum Stundensatz:
        Ich denke ja daß durch das „neue“ Gesetz auch die Stundenlöhne nach und nach angeglichen werden und sich Firmen an die Vorgabe halten (können)!

  3. Auch ich war einer der 5 Euro Jobber, allerdings hatte ich da auch noch keine Sachkundeprüfung…
    Es war damals Neugier auf den Beruf, da nimmt man 5 Euro (Netto) gerne in Kauf… Damals war es mehr so ein Abenteuer „Yaaay nu biste Security alter“, später habe ich dann gemerkt wie scheiße das zum Teil eigentlich ist, sofern man einer dieser 5 Euro Kräfte ist. Außerdem wird man von vielen nur belächelt und beschimpft und nicht ernst genommen, man ist im Grunde zwar „Security“, gleichzeitig aber oft auch das letzte im System einer Firma. Ganz nach dem Motto „Wir planen ein Event, es muss das Beste vom Besten geboten werden… Nun steht alles… Ups wir ham den Sicherheitsdienst vergessen, der muss nun aber günstig sein“…

    1. Stefan Wegerhoff

      Ich gebe Dir vollkommen Recht.
      Es sind dann eher Ordnungskräfte, Parkeinweiser.
      Man wird belächelt, weil man DEN schlecht bezahlten Job macht…

  4. Karsten Mechelk

    Ich habe 2011 bei Stefan Wegerhoff u.a. den §34a gemacht. Da ich in Düsseldorf nicht bleiben wollte bin ich zurück in den Osten gegangen und war auch zuerst bei einem brandenburgerischen Sicherheitsdienst Revier- und Interventiosfahrer. Mein damaliger Stundenlohn betrug auch nicht mehr als 6,85€. Nach 9 Monaten wurde ich gekündigt, weil Aufträge wegbrachen und nicht mehr alle bezahlt werden konnten. Danach habe ich bei einer Sicherheitsfirma angefangen, die als Subunternehmen bei einem großen deutschen Möbelkaufhaus die Haussicherheit stellte. Da dort das Arbeitsklima so beschissen war, habe ich mir von der Position aus mich neuorientiert und bin jetzt bei meiner Traumposition gelandet. Nun arbeite ich als Sicherheitsmitarbeiter im bewaffneten Objektschutz bei einer Botschaft hier in Berlin und bin überglücklich, da mir das erste mal überhaupt in der Sicherheit es gedankt wird, das ich jeden Tag dort meinen Dienst verrichte, mein Leben aufs Spiel setze und ich meinen Job so gewissenhaft verrichte das die Botschaft zufrieden ist und wir als Dienstleister seit Jahren dieses Objekt bewachen dürfen.
    Also danke nochmal an dich Stefan, dass du auch einen Teil dazu beigetragen hast, mich in diese Position zu bringen. Zwar habe ich die Waffensachkunde im Nachhinein selbst finanziert, aber das Geld dafür war in kurzer Zeit wieder durch den Lohn eingespielt.

    1. Stefan Wegerhoff

      Hallo Karsten, toll zu hören, daß Du Dich entschieden hast, im Wachgewerbe zu bleiben, noch schöner ist es zu hören, wenn Deine Arbeit anerkannt und dementsprechend honoriert wird! Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg bei Deinen Unterfangen und solltest Du irgendwann etwas benötigen oder Fragen haben, kannst Du jederzeit zu mir kommen !
      VG
      Stefen Wegerhoff

  5. Karsten Mechelk

    Sorry für die ganzen Rechtschreibfehler, komme gerade aus der Nachtschicht 😉
    Achso noch zum Lohn: 7,50€ +1€ Waffenzuschlag
    Da die Mindestlohngrenze auf 8,50€ geht, denke ich das die Firma unseren Lohn noch weiter anhoben wird.
    12h Schichten (Tag/Nacht)
    Bin im Schnitt bei 240h im Monat (kann aber auch mal 220h oder 252h sein)

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