Der Job als Kaufhausdetektiv

KaufhausdetektivDer Job als Kaufhausdetektiv ist längst nicht so verrufen wie z.B. der Job als Türsteher oder Streifengänger in Geschäftsforen oder Fußgängerzonen. Das mag daran liegen, dass ein Kaufhausdetektiv zivil arbeitet.

Übrigens ist das der einzige Job in der Sicherheit, bei dem man nicht verpflichtet ist, einen Mitarbeiterausweis sichtbar zu tragen!!!

Viele Menschen erkennen den Kaufhausdetektiv einfach nicht weil Sie darauf nicht achten. Jetzt mögen sich Menschen auftun, die behaupten: “Ich erkenne Kaufhausdetektive auf 100 Meter Entfernung!” Dazu kann ich nur sagen: ” Ja! Das glaube ich Dir! Das ist auch keine Kunst! Da er dich in diesem Augenblick nicht im Visier hat!”

Man muss keine besondere Fähigkeit haben, einen Kaufhausdetektiven zu entlarven. Zwei Augenblicke bedarf es dazu meist nur! Aber dann ist es oftmals so, dass der Kaufhausdetektiv jemand Anderes im Auge hat. Oder hast Du schon mal darüber nachgedacht, dass vielleicht er von seinem aufmerksamen Kollegen ablenken möchte?!

In meiner Zeit als Kaufhausdetektiv – es waren insgesamt zwölf Jahre – haben Bekannte, die mich im Laden angetroffen haben, auch immer wieder gemeint, ich wäre zu auffällig!
“Ja, liebe Freunde, das mag sein. Aber macht euch lieber Sorgen, wenn ihr es nicht merkt!”

Ein guter Detektiv hat immer eine Absicht mit Situationen umzugehen, hinterfragt für euch jeden Augenblick, denn in der höherpreisigen Klasse und damit meine ich Profis, sind sie euch ermittlungs- und observationstaktisch immer einen Schritt voraus!
Und das liegt einfach daran, dass sie sich den ganzen Tag damit beschäftigen!

Das hat nichts mit besonderer Intelligenz zu tun, sondern einfach mit dem täglichen Arbeitsfeld! Das ist eben der sprichwörtliche Locher unseres Arbeitsplatzes.
Und genau das ist es, um auf das Thema zurück zu kommen, was den Beruf eines Kaufhausdetektivs ausmacht!

Oft werde ich gefragt, ist das nicht langweilig, den ganzen Tag in einem Laden rum zu rennen? Ja, natürlich wäre es langweilig, wenn mein Kopf nicht arbeiten müsste! Wenn ich nicht ein Ziel hätte! Ist es nicht langweiliger in einer Postfiliale zu arbeiten, den ganzen Tag Briefmarken kleben? nicht das ich den Job verachte, aber schön dass ihn andere machen!
Ist es nicht langweiliger, in einem Büros zu sitzen und den ganzen Tag auf den PC zu starren?

Es gibt zwei Arten der Ausführung dieses Jobs: die Erste ist: ich bin in dem Geschäft des Kunden, wandele dort umher, schlage die Zeit tot.
Die zweite Art: ich mache meine Aufgabe zu meinem Ziel! Wer sich während der Arbeitszeit als Kaufhausdetektiv damit beschäftigt, was welcher Kunde gerade beabsichtigt, der wird schneller Feierabend haben als ihm lieb ist!
Wenn ich erahnen kann, was ein Kunde kaufen will, anhand der Artikel die er vielleicht schon im Wagen hat, dann versetze ich mich in den Kunden und plane seinen Einkauf. Somit erkenne ich schon beim Gang in die Drogerieabteilung, ob ein Kunde vielleicht gerade beabsichtigt, sich Ware kostenfrei zu beschaffen.

Aber all das sind Denkstrategien, die man nur für sich allein erörtern kann und diese Denkstrategien enden auch sehr häufig in ganz anderen Situationen, als man es vorher für möglich gehalten hat.
Aber dann irrst du dich nicht, sondern erweiterst lediglich deine Menschenkenntnis!

 

Der Job als Kaufhausdetektiv, ist also alles andere als langweilig. Vielmehr hat mir der Job eine Menge an Menschenkenntnis gebracht, die ich nie mehr missen möchte. Außerdem habe ich gelernt, es zuzulassen, dass Menschen mich unterschätzen!

Ich liebe diesen Augenblick, wenn Menschen erkennen, dass sie sich diesbezüglich in mir geirrt haben! Wenn ich dann z.B. an der Kasse auf die Aspiranten warte und die allmählich erkennen: Oh der Spinner, der an den Zwiebeln gerochen hat und dreimal die Tempos fallen lassen hat, ist ja Kaufhausdetektiv und hat mich nun an der Angel!
Man kann die Schweißausbrüche dieser Kunden sehen! Ein toller Augenblick!

Welcher Softskills bedarf es, diesen doch sehr Anspruchsvollen Job auszuführen! Da gibt es doch eine Menge an Fähigkeiten, die erforderlich sind und ich meine natürlich ausschließlich den Job als Kaufhausdetektiv in qualifizierter Form!

Zunächst gehört eine große Menge an Geduld zu dem Beruf, aber nur am Anfang! Denn wenn man mit den Jahren seine Berufserfahrung gesammelt hat, weiß man häufig schon vor dem Kunden, ob es auch ein Kunde von einem selbst werden kann!

Weiterhin sind Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt sehr wichtig! Das hängt damit zusammen, das dieser Job der “gefährlichste” Job ist, bei dem man schnell vom Zeugen zum Beklagten werden kann, z.B. wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und und und! Also brauchst du auch ne große Portion Vertrauen in unsere Gesetzgebung!

Selbstvertrauen darf dir nicht fehlen! Wenn du bei einer Ansprache Schwächen zeigst, ist das wie beim Boxen die Hände auf dem Rücken zu halten! Der Augenblick der Ansprache entscheidet den gesamten Verlauf des Vorfalles!

Die Menschenkenntnis ist umstritten, da viele Menschen behaupten: Menschenkenntnis habe etwas mit Vorurteilen zu tun! Einerseits ist das  richtig und ich habe im Unterricht damals mit meinem Schülern immer lange gebraucht, dieses Thema zu behandeln. Immer mit einem ähnlichen Ergebnis: Menschenkenntnis ist eine Ansammlung von Vorurteilen, die sich oft als falsch herausgestellt haben müssen, um ein breites Spektrum zu bekommen.
Aber fast immer waren wir uns einig, dass Vorurteile nicht zwingend negativ sein müssen! Das allgemein bekannteste Vorurteil in diesem Bereich “Polen stehlen häufiger als andere!” kann ich widerlegen! Ich habe in meiner Zeit als Kaufhausdetektiv so viele Polen beim Stehlen erwischt, wie alte Omis, wobei die oft wirklich schlimm sind, also entweder sind Polen so gut im Stehlen oder die Tatsache ist falsch!

Wie dem auch sei: es ist nicht jedermanns Sache, weinende Menschen vor sich zu verurteilen und Strafanträge zu stellen, obwohl es einem das Herz zerreißt.
Mein schlimmster Fall war eine Afrikanerin, die Windeln und Babybrei gestohlen hatte. Allerdings kann ein Detektiv auch durch das Verfassen des Strafantrages zu einer Verurteilung oder zu einer Verfahrenseinstellung beitragen, wenn er suggestiv den Text verfasst.

Die Wortwahl ist in diesem Beruf sehr wichtig. Man kann z.B. die Verwendung der Worte:  “Gab den Diebstahl sofort zu!” umwandeln in: “Gab den Diebstahl erst nach Konfrontation mit der Beweislage zu!“.
So dreht sich die Geständigkeit um 180 Grad und eine Verurteilung ist nahezu selbstverständlich.
Das Verfassen des Berichtes ist einer der wichtigsten Augenblicke und sollte daher gut durchdacht sein. Den Bericht kann man übrigens auch schreiben, nachdem der Beschuldigte bereits weg ist. Den Strafantrag kann man in der Regel nachreichen.

Aber in jedem Fall solltet Ihr bedenken:
Das Gewissen muss besiegt werden. Mitleid gehört nicht in diesen Beruf!!! !

Herzlichst euer Stefan Wegerhoff
Text: Stefan Wegerhoff

D&W The Motion Corporation

 Weiterführend gibt es Hier noch einige Beiträge über dieses Thema:

http://www.volksstimme.de
http://wachblog.de/videobericht

 

… Jeder Beitrag wird immer mal wieder ergänzt …

 

2 Comments

  1. Pingback: Mein erster Tag als Kaufhausdetektiv - DAMLAS | Wachblog.de

  2. Pingback: Mein Testdiebstahl – Drehtag mit dem ZDF | Stefan-Wegerhoff

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